Die „Antica Stamperia Fabiani“: Eine wertvolle Lehrwerkstatt


Antica Stamperia Fabiani

Es ist kaum zu glauben, aber die älteste und bestdokumentierte Druckwerkstatt Italiens, die „Tipographia A. Manuzio“ aus der zweiten Hälfte des 19. Jh. findet man in Petritoli (Italien).
Nahezu alle Originaldrucke wie Bücher und Handbücher aus dem 19. Jh. sind noch erhalten geblieben.
Ein besonderes historisches Interesse stellen dabei die Ausgaben, die für Luigi Mannocchi gedruckt worden sind, dar.
Die heutige „Antica Stamperia Fabiani“ Sammlung findet man seit 1957 in der Vicolo del Forno, Nr. 3. in Petritoli. Sie enthält unter anderen vier sehr seltene Druckmaschinen:

  1. eine gusseiserne Kontaktdruckmaschine mit hölzernen Querbalken, die 1841 von Amos dell` Orto in Monza produziert worden ist. Es ist das einzige vollständig erhaltene Exemplar in Italien.
  2. eine gusseiserne Handdruckpresse, welche um 1850 von L. Magnoni & Sons aus Monza gefertigt wurde.
  3. eine Piano-Rollen Druckmaschine von Carlo Magnoni & C. Monza, die um 1859 hergestellt wurde.
  4. und noch eine weitere Druckpresse aus der Gießerei von C. M. Zini aus Milan aus der Zeit um 1880.

In der „Antica Stamperia Fabiani“ kann man bis heute noch viele verschiedene Drucknegative, die zur damaligen Zeit benutzt wurden, bewundern. Diese Negative bestehen meistens aus Kupfer oder Holz. Weiterhin findet man eine Vielzahl von verschiedenen Buchstabentypen, die aus bestimmten Legierungen oder Holz bestehen.
Mit dem Projekt „wertvolle Lehrwerkstatt“ möchte die „Stamperia Fabiani“ Schülern die Möglichkeit eröffnen mit diesem historischen Equipment zu arbeiten und Mitarbeiter erklären und illustrieren jederzeit gern die unterschiedlichen Drucktechniken und ihre verschieden Phasen vom 19. Jh. bis Anfang des 20. Jh.
Alle interessierten Schüler werden in der großen Druckwerkstatt willkommen geheißen. Dort wird ihnen die Geschichte der Druckpressen und der Familie Fabiani, die seit 1903 Drucker in Petritoli sind, näher gebracht. Anschließend werden verschiedenen Schriftarten vorgestellt und die Kunst des Schriftsetzens, d. h. wie einzelne Buchstaben und Schriftarten für die zu druckenden Worte kombiniert werden, dargestellt.
Ist die Unterlage der Druckerpresse bereit und sind die aus Holz- oder  Bleilegierungen bestehende Buchstaben arrangiert, wird der zu druckende Bereich dünn mit Druckertinte, mit Hilfe einer speziellen Gummirolle, eingefärbt. Anschließend wir ein Blatt Papier, das bereits in die richtige Form geschnitten wurde, vorsichtig auf dem eingefärbten Bereich platziert. Dann kann gedruckt werden. Dazu wird alles unter die Presse geschoben und ein spezieller Hebel setzt die Druckmaschine in Bewegung. Zu diesem Zeitpunkt wird alles, was sich auf der Druckunterlage befindet auf das Papier gepresst.
Wenn der Hebel wieder in seine ursprüngliche Position zurück gebracht wird und die Druckunterlage aus der Presse herausgezogen wurde, kann man das frisch bedruckte Blatt Papier  abheben und trocknen lassen.
Die produzierten Blätter werden der Schule überlassen und das Material, das die Schüler anschließend in der Schule ausarbeiten können, wird in einem Buch über den lokalen Verlagszweig  von „Archeoclub d’Italia“ veröffentlicht.

Die didaktischen Ziele dieses Projektes sind:

  1. Die Geschichte der Kunst des Druckes kennen zu lernen
  2. Den Druckprozess zu verstehen
  3. Mit antiken Druckmaschinen zu arbeiten
  4. Die Kreativität und Fantasie der Schüler, aber auch ihre Teamfähigkeit anzuregen und Tätigkeiten koordinieren zu lernen
Das Verständnis für alte und neue Handwerke zu unterstützen, dem Motto folgend „vom Computer ... zur Presse ... zum Computer“, um somit die lokale Kunstfertigkeit und ihr historisches Vermächtnis beweisen zu können

 

 

 

Torchio Stanhope "Amos Dell'Orto in Monza" (1841)

"Nell'Antica Stamperia Fabiani di Petritoli
il Torchio più antico del suo genere in Italia"
(Censimento James Clough)